Hofensemble Starnberger See

StandortStarnberger See
AdresseBayern, Deutschland
GebäudetypBauwerke für technische Zwecke

Das Hofensemble der Familie Dr. L. befindet sich in exponierter Lage im Herzen von Tutzing am Starnberger See und wird in seiner Errichtung auf das Jahr 1900 datiert. Seit Entstehung der Hofstelle befindet sich diese in Familienbesitz.

Die Gebäude sind gegliedert in ein Haupthaus, welches in der Vergangenheit unterteilt war in Wohnräume, Stallungen und Tenne. Überdies ein Nebenhaus, welches in seinem Ursprünglichen Zustand den „Austrag“ mit kleiner integrierter Werkstatt darstellte. Hier wohnten zur Zeit des landwirtschaftlichen Betriebes Mägde und Knechte.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurden die Gebäude zahlreichen Veränderungen unterworfen. Eine Maßnahme Mitte der 60ger Jahre und eine weitere Umbaumaßnahme 1976 im Zuge einer Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung nahmen dem Ensemble – insbesondere dem Haupthaus etwas von seinem Charme der Gründerzeit. Vor allen Dingen die Fassadenansichten litten unter den Veränderungen ohne gestalterischen Anspruch: Fensterformate des Gebäudes wurden in unterschiedlichste Größenverhältnisse gebracht, Fensterarten gemischt – bei einigen Öffnungen blieben ursprünglichen Kastenfenster und an anderen Stellen kamen zum Beispiel Thermopeenfenster zum Einsatz. Der alte Basküleverschluss wurde somit teilweise entfernt. Gauben wurden unproportional verändert. Alte, mit vegetabilen Formen aus Holz geschnitzte Balkone des Jugendstils ausgetauscht und in glatte geschlossene Brettermäntel umgewandelt. Der Außenputz wurde damals ebenso teilweise erneuert. Das Austragshäusl blieb weitgehend unangetastet und somit als Zeitzeuge guteerhalten. Hier wurden lediglich zwei Garagen nach Westen hin angebaut. Fotodokumentationen aus der Familienchronologie lieferten für die Revitalisierung aufschlussreiche Informationen über den Wandel der Gebäude im Laufe der Zeit.

Im Jahr 2008 entschied sich die bereits in Tutzing domestizierte Familie des Sohnes und Hoferben Dr. Ernst Lindl das Elternhaus ehrwürdig zu sanieren um nun selbst darin zu wohnen. Entwurfsaufgabe war nun im Bezug auf den geschichtlichen Rückblick der Hofstelle weitgehend einen Rückbau durchzuführen um im Konsens dazu eine attraktive Neugestaltung bestimmter Bereiche zu schaffen. Die Erste spannende Aufgabe für die Architektin bestand nun darin, Spuren aus der Vergangenheit zu sammeln. So wurden Elemente wie zum Beispiel die alten, noch intakten Kastenfenster und Türen saniert - und in Teilen ergänzt, wo die Notwendigkeit hierfür bestand. Drücker und Verschlüsse wurden nach historischem Vorbild gefertigt. Alte Holzbalkenlagen und Stützen wurden wo frei gelegt und gereinigt, um diese nun sichtbar in die Räume einzubinden. Weiter wurden die bestehenden Fehlböden ertüchtigt. Eine der maroden Stahlsäulen des Stalls wurde saniert und wieder als statisches Element im neuen Wohnraum eingebaut. Das Gewölbe der Stallung wurde restauriert. Bei der Materialgebung wurde strikt darauf geachtet die Ursprünglichkeit wieder her zu stellen. So wurden die Fenster beispielsweise mit Leinölfarbe gestrichen, Kalkputz verwendet. Es wurden bei den Dämmungen in Dach und Wänden Holzfasern verbaut. Die vorhandenen Raumstrukturen des Wohntraktes im Haupthaus wurden teilweise neu gegliedert. Es wurden einigen Räumen neue Funktionen zugeordnet. Um zusätzlichen Raum zu schaffen sind die früheren Stallungen und Teile der Tenne ausgebaut worden. Weitere Themen des Umbaus waren die Neugliederung der unansehnlichsten Fassadenansicht. Es handelte sich hierbei um die nach Norden hin in das Privatgrundstück gerichtete Seite. Das Ziel hierbei war den Wohnraum in Bezug zum privaten Außenraum zu setzen. Somit wurde dieser Teil des Hauses zum Garten hin über zwei Geschosse geöffnet. Historische Elemente wurden in Szene gesetzt und mit Modernität ergänzt. Großformatige Glasflächen, in Verbindung mit dem alten Tragwerk aus Holz und neuen statischen Stahlelementen verleihen dem Wohnraum das Gefühl von Offenheit und der Bewohner erfährt den unmittelbaren Kontakt zur Natur.

Die für die Öffentlichkeit sichtbaren Fassaden in Richtung Osten und Süden wurden nach historischem Vorbild revitalisiert. Das Ortsbild profitiert dadurch wegen der exponierten Lage des Hofensembles neben Kirche, Rathaus und der Lindl-Wies´n, welche den Volksfestplatz am Ort darstellt sehr von der anspruchsvollen Sanierungsmaßnahme. Im Austragshaus wurde die ehemalige Werkstatt zum Wohnraum hinzugefügt und dadurch ein für Gäste eingerichteter Raum geschaffen. Hier wurde auf gleiche Weise die Substanz respektvoll behandelt. Erhaltenswertes restauriert und neues mit hohem Anspruch an Ästhetik ergänzt. Modernes und historisches fügt sich zueinander ohne einander zu überdecken.

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