Gebäudeensemble mit klarer Formensprache und lebendigem Fassadendesign

StandortStade
AdresseNiedersachsen, Deutschland
GebäudetypKommunalbauten

Neubau des Staatsarchivs in Stade beherbergt 50 Regalkilometer Archivgut

Am 19. Mai 2014 wurde der Neubau eines Magazin- und Verwaltungsgebäudes für das Niedersächsische Staatsarchiv in Stade eröffnet. Das gemeinsame Grundbuch- und Aktenarchiv der Freien Hansestadt Hamburg und der Landesregierung Niedersachsen stellt im Archivwesen bundesweit bislang ein Unikum dar.

Nach einem europaweiten VOF-Verfahren wurde die pbr AG vom Land Niedersachsen, vertreten durch das Staatliche Baumanagement Osnabrück, im Jahr 2011 mit der Architekturplanung für den 20 Mio. € teuren Neubau beauftragt. Dieser zeichnet sich neben den erforderlichen Kapazitäten und optimalen Bedingungen zum Schutz der Archivalien durch kurze Wege, eine hochmoderne Ausstattung, Transparenz und Nachhaltigkeit aus.

Monolithische Baukörper geprägt durch Ziegelfassade
In einem heterogenen Umfeld zwischen Bahngleisen, Industriebauten und Wohngebäuden unterschiedlicher Größe stellt sich das Staatsarchiv in Stade als eine Komposition aus monolithischen Baukörpern dar. Dabei versteht es sich als Auftakt und Anker für die zukünftige Stadtentwicklung im Quartier rund um den Bahnhof. Das äußere Erscheinungsbild ist geprägt durch eine Ziegelfassade sowie Fenster- bzw. Pfosten-Riegel-Konstruktionen aus dunkelgrauen Aluminiumprofilen. Durch den Ziegel, ein für Stade ortstypisches Fassadenmaterial, fügt sich das Staatsarchiv optisch in das Stadtbild ein.
Der Neubau trennt sich in zwei Baukörper, das Magazingebäude und das vorgelagerte Gebäude für Öffentlichkeit und Verwaltung bzw. Archivtechnik. Durchdrungen werden diese Gebäudeteile von einer zentralen Magistrale, die am Eingang beginnt und bis in das Magazin führt. Klar definierte Räume werden durch die Baukörper gebildet, der Anlieferungshof auf der Westseite zur Industriebahn und der größere Hof mit Grünflächen vor den Lesesälen auf der Ostseite. Durch einen Vorplatz wird der Hauptzugang für Besucher markiert. Der großzügige, mit einer Glasfassade gestaltete Eingangsbereich gibt den Blick auf das Eingangsfoyer mit seiner offenen Haupttreppe frei. Dieser Bereich ist auch für Ausstellungen geeignet.
Der im östlich anschließenden Gebäudeteil befindliche, teilbare Lesesaal im Erdgeschoss ist nach Norden zu einem begrünten Hof orientiert. Mit seiner im Raumkonzept integrierten, akustisch wirksamen Trennwand bietet er den Besuchern Raum und Ruhe zum Studieren von Dokumente. Im ersten Obergeschoss befinden sich die für die Öffentlichkeit eingeschränkt zugängliche Verwaltung sowie multifunktionale Büro- und Produktionsräume.
Im dreibündigen Bereich für Archivtechnik, westlich der Magistrale, sind Anlieferung, Werkstatt und Archivalienaufbereitung untergebracht. Die Werkstatträume werden unter anderem zur Restaurierung und Trocknung von Archivgut genutzt. Das 1. Obergeschoss beherbergt die übrigen Nutzungseinheiten, darunter eine Dienstbibliothek, Lagerräume und eine Reprowerkstatt zur Anfertigung von digitalen Reproduktionen.

Klare Kubatur und lebendige Fassadengestaltung
Das Herzstück des Staatsarchivs bildet der fünfgeschossige Magazintrakt im Norden des Grundstücks. Dieser stellte bei der Planung die größte Herausforderung dar. Tageslicht und Außenluft sollten zum Schutz der alten Akten nicht in diesen Gebäudeteil eindringen. Um die unbeabsichtigte Zufuhr von Wärme, Kälte und Feuchte zu begrenzen, musste ein Austausch der im Magazin enthaltenen Luft mit der Außenluft durch eine dichte Konstruktionsweise verhindert werden. Der fünfgeschossige Trakt musste folglich ohne Fenster auskommen und dennoch mit den halböffentlichen Bereichen korrespondieren. Mit seiner klaren Kubatur und der lebendigen Fassadengestaltung erfüllt der Magazintrakt allerdings sämtliche Anforderungen an Funktion und Gestaltung, die an das Projekt gestellt wurden. Die zwischen den Klinkern unregelmäßig angeordneten Öffnungsfelder mit anthrazitfarbenen Aluminiumtafel, in denen sich, je nach Blickwinkel, das Sonnenlicht widerspiegelt, setzen Akzente. Das Fugenbild und die Anordnung von Blechlisenen in Verbindung mit den Klinkern und den Aluminiumtafeln gliedern den fensterlosen Baukörper und schaffen strukturierte, lebendige Ansichten. Die Fassadengestaltung des Verwaltungsbaus beruht auf dem gleichen Konzept wie die des Magazintraktes. Allerdings wird ein Teil der Aluminiumplatten von Fenstern durchdrungen. Somit ergibt sich ein einheitliches Bild. Von den Gebäudetrakten für Öffentlichkeit/Verwaltung und Archivtechnik aus ist der Magazinbereich für die Mitarbeiter des Staatsarchivs über die Magistrale auf kurzem Wege zu erreichen. Als schwierig bei der Planung erwies sich außerdem die Anforderung an Klima und Belichtung. Die passive Klimatisierung sorgt für ein sich selbst stabilisierendes konstantes Raumklima. So werden Betriebskosten gering gehalten und ökologische Maßstäbe im Sinne der Nachhaltigkeit gesetzt. Die Oberflächen der Wände und Decken im Magazinbereich blieben unbehandelt, um die unterstützende Wirkung zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit voll auszunutzen.

 

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