Richtiges Sitzen fördert die Gesundheit

Untersuchungen haben belegen können, dass 75 Prozent aller Arbeiten in industrialisierten Staaten sitzend vollzogen werden (Pynt J., Mackey M. G., Higgs J. “Kyphosed Seated Postures: Extending Concepts of Postural Health Beyond the Office”). Allein in Deutschland verbringen Büroangestellte demnach rund 80.000 Stunden ihres Berufslebens auf dem Bürostuhl. Trotz dieser Tatsache sind Büro-Arbeitsplätze oftmals nicht ergonomisch auf die Bedürfnisse der Angestellten zugeschnitten. Wer allerdings über längere Zeit falsch sitzt, der fördert das Entstehen von Rückenleiden, Muskel- und Skeletterkrankungen. Laut aktueller Studien leiden knapp 70 Prozent der Deutschen unter Rückenschmerzen, 12 Prozent sogar täglich. Aber: Sitzen ist nicht generell schädlich. Wer sitzt, verbraucht weniger Energie und senkt den hydrostatischen Druck auf die unteren Extremitäten. Dennoch gilt: Die Wirbelsäule leistet während des Sitzens Höchstarbeit und braucht die aktive Unterstützung durch den Menschen.

Den Rücken verstehen
Die menschliche Wirbelsäule ist von der Seite aus betrachtet doppel-S-förmig. Beim Menschen besteht die Wirbelsäule aus 24 freien Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich verbunden sind, sowie 8 bis 10 Wirbeln, die zu Kreuz- und Steißbein verwachsen sind. Jede Wirbelsäule ist individuell in der Ausformung. Bei einigen Menschen sind die S-förmigen Kurven stärker ausgeprägt als bei anderen. Entsprechend unterschiedlich sind die Bedürfnisse beim Sitzen. Die einzelnen Wirbel sind über die Bandscheiben und unterschiedlichste Bänder miteinander verbunden. 23 Facettengelenkpaare sowie ein Kopfgelenk zwischen Axis und Atlas Wirbel – auch Zwischenwirbelgelenke genannt – ermöglichen dem Rückgrat unter anderem seine Bewegung. Im Laufe des Lebens unterliegt der Rücken dem natürlichen Verschleiß. Der Mensch kann allerdings seinen Beitrag dazu leisten, den Rücken langfristig gesund zu halten. Neben gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung, ist auch die richtige Ausstattung der Arbeitsumgebung von großer Bedeutung.

Entscheidend: Der richtige Stuhl
„Generell sollten Büroangestellte darauf achten, nicht stundenlang nur zu sitzen“, sagt Torsten Lohrsträter, European Productline Manager Seating bei Haworth. Der Experte empfiehlt, sich an die ergonomische Formel zu halten. Die ist denkbar einfach: 50 Prozent Sitzen, 25 Prozent Stehen und 25 Prozent Bewegung. „Aber auch die Büroausstattung ist essenziell“, weiß Torsten Lohrsträter. Ein Stuhl muss vor allem die natürliche Formgebung der Wirbelsäule unterstützen. Die ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Generell zeigt sich aber ein Unterschied zwischen Männern und Frauen. Ein Stuhl muss entsprechend flexibel auf die Bedürfnisse des Nutzers eingehen können und natürlich Asymmetrien des Körperbaus ausgleichen. Außerdem sollte der Bürostuhl in der Lage sein, Bewegungen im Sitzen zu ermöglichen, denn Studien zufolge ist es ergonomisch vorteilhaft, die Wirbelsäule in ihrer Position hin und wieder zu verändern, um die Belastungen zu verteilen. Bewegungen auf dem Bürostuhl müssen ohne störende Nebeneffekte wie z. B. hohe punktuelle Druckbelastungen an Rücken, Armen und Beinen möglich sein. Ist das gewährleistet, so ist die Chance, dass der Nutzer seinen Bürostuhl ergonomisch ausnutzt erheblich gesteigert. Außerdem wird seine Verhaltensergonomie unbewusst positiv beeinflusst.

Variable Sitzpositionen
Die Empfehlung lautet jetzt allerdings nicht, dauerhaft aufrecht zu sitzen. Experten wie Torsten Lohrsträter raten dazu, die Sitzhaltung regelmäßig zu wechseln. So werden die Bandscheiben entlastet, die Diffusion in den Bandscheiben angeregt und die unteren Extremitäten besser durchblutet. Mittlerweile haben Studien (u. a. Andersen, K. J. “Are you sitting down? Towards cognitive performance informed design.”) belegen können, dass je nach Arbeitsaufgabe, eine unterschiedliche Position auf dem Stuhl eingenommen werden sollte: Das aufrechte Sitzen ermöglicht vor allem das divergente Denken. Denn in aufrechter Position fühlt der Mensch sich besonders fähig, Entscheidungen zu treffen. Wer kreativ arbeiten muss, der sollte sich entspannen und zurücklehnen. Außerdem wichtig: Regelmäßige Bewegungspausen unterstützen die Regeneration der Muskulatur und des Skelettes. Zusätzliche Dehnungs- und Entspannungsüben können außerdem beim Erhalt eines gesunden Rückens unterstützen.

Richtiges Sitzen | Grafik: Haworth GmbH
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