Pumpen über lange Distanz: Ersatzneubau für Wehr und Schleuse im Spreewald

Der Wasser- und Bodenverband „Oberland Calau“ ist im Auftrag des Landes Brandenburg für die Unterhaltung und die Erneuerung der Wehranlagen im Spreewald zuständig. Diese sind in einem Staugürtelsystem angeordnet und regulieren die Wasserstände der Spree, die sich in dieser Gegend in einer Vielzahl von Wasserläufen verliert. Der Ersatzneubau „Wehr 112 mit Schleuse und Fischaufstiegshilfe“ liegt im Bürgerfließ nahe der Kaupe Wotschofska, einem Standort, der nur über das Wasser, zu Fuß oder per Rad erreichbar ist.
Ein Bauvorhaben in einem landschaftlich sensiblen Gebiet muss mit besonderer Sorgfalt, spezieller Logistik und entsprechendem Equipment durchgeführt werden. Im Spreewald musste das Projekt, zu dem keine Baustraße führen durfte, auch ohne umfangreiche Baumfällungen realisiert werden. Es ging darum, die Belastung des sensiblen Naturraumes während der Baumaßnahmen so gering wie irgend möglich zu halten.

Der Wasser- und Bodenverband „Oberland Calau“ als Vorhabensträger seitens des Landes entschied sich hier erstmals für einen Wehrbau, dessen Andienung von Gerät und Baustoffen ausschließlich über den Wasserweg zu koordinieren war. So entschied man sich auch, die Versorgung der Baustelle mit Beton mittels Pumpentechnik auszuführen. „Der gesamte Transport des Abbruchgutes aus dem Rückbau des alten Wehrs aus den 1950er Jahren und die neuen Baumaterialien, wie etwa die Spundbohlen, Schüttgüter und Stahlwasserbauteile, erfolgte über Lastkähne und Pontons, ebenso die Anlieferung der Baucontainer sowie die gesamte Baustelleneinrichtung und Technik inklusive Bagger. Auch was man für die Betonage des Ersatzbaus brauchte, also der Bewehrungsstahl und die Schalungsutensilien, kamen über das Wasser“, erläutert Ingolf Burisch.

Er ist als Projektleiter des öffentlichen Bauherrn für die Koordination des Gesamtvorhabens zuständig. Im Rahmen seiner Tätigkeit zeichnet er für alle Investitionsmaßnahmen an Wehranlagen innerhalb des Verbandsgebietes verantwortlich und weiß, dass es noch etliche weitere Wehre im Spreewald gibt, für die Bedarf zum Ersatzneubau oder zur Sanierung besteht und die ähnlich sensibel behandelt werden müssen. Finanziert werden diese Bauaufgaben aus Mitteln der Europäischen Union sowie aus Landes- und Bundesmitteln. Für die komplexe Planung, die Erarbeitung der Verdingungsunterlagen und die Bauüberwachung des Ersatzneubaus „Wehr 112“ wurde die Planungsgemeinschaft Tief- und Wasserbau GmbH (PTW) aus Dresden vertraglich gebunden. Die Investitionsmaßnahmen werden, wie bei der Vergabe öffentlicher Aufträge üblich, ausgeschrieben und das wirtschaftlichste Angebot erhält den Zuschlag.

Doch bevor es an die Vergabe ging, wurde die Planung der Ingenieure von PTW durch verschiedene Prüfstellen und unabhängige Gutachter nochmals auf Herz und Nieren geprüft. Als Ergebnis des Bieterverfahrens wurde die TWB Tief- und Wasserbau GmbH aus Boblitz einem Ortsteil Lübbenaus, mit der Realisierung der Baumaßnahme beauftragt; ein Unternehmen, das im Spreewald ansässig ist und sich mit den Gegebenheiten vor Ort bestens auskennt. Für die Betonarbeiten setzte TWB auf die Zusammenarbeit mit KANN Beton, einem renommierten Beton-Fabrikanten, der sich aufgrund seiner Referenzen, aber auch aufgrund des Standorts in der Region Lausitz-Spreewald und der daraus folgenden kurzen Transportwege für den Beton qualifizierte. Kann-Beton holte sich für die anspruchsvollen Pumparbeiten, die eine Distanz von 450 Metern überbrücken mussten, einen weiteren Spezialisten ins Boot, die Heidelberger Beton GmbH, Bereich Betonpumpen Nordost.
Das neue Wehr ist einschließlich Schleuse und Fischaufstiegsanlage ein komplexes, rund 24 Meter breites und 36 Meter langes Wasserbauwerk, das in insgesamt sieben Betonierabschnitten errichtet wurde. An seinem Standort sichert es als Bestandteil eines Staugürtels die Wasserstände im Oberwasser und schützt damit die Kulturlandschaft vor dem Austrocknen. Der massive Baukörper ist als rahmenartiges Tragwerk ausgebildet, wobei die Pfeiler und Wände als Stiele und die Bodenplatte als Riegel wirken.

Die festen Teile des Stahlwasserbaues sind in den Massivbau integriert. Eine Baustelle, die nicht auf vier Rädern zu erreichen ist, stellte für alle Baubeteiligten ein neues und spannendes Unterfangen dar. Selbst die An- und Abfahrt der auf dem Bau Beschäftigten musste täglich auf dem Wasserweg erfolgen. Das Kernstück der Betonförderung heißt „Moli“ und ist die mobile Hochdruckpumpe des Pumpendienstes von Heidelberger Beton. Diese Pumpe stand 450 Meter weit entfernt vom eigentlichen Einbauort auf festem Untergrund und wurde dort mit Transportbeton gespeist. In Deutschland sind nur wenige Exemplare dieser leistungsfähigen Pumpe des Maschinenbauers Putzmeister in Betrieb, die einen hydraulischen Druck von bis zu 400 Bar bewältigen.

Der Pumpendienst von Heidelberger Beton verfügt neben dem Maschinenpark auch über spezielle Förderleitungen mit ZX-Verrohrung, die so einen hohen Druck aushalten und die manuell quer durch den umliegenden Hochwald und über kleine Gräben hinweg verlegt werden mussten. „Der Betonlieferant hat einen guten Job gemacht“, anerkennt Andreas Keiser vom Pumpendienst, der die anspruchsvolle Baustelle betreute. Das Unternehmen KANN Beton hatte ihn im Vorfeld darauf angesprochen, ob eine derartige Entfernung technisch überhaupt machbar wäre. „Der jeweilige Betonhersteller muss unter anderem beachten, dass durch den hohen Förderdruck der Beton an Konsistenz verlieren kann“, erklärt Keiser von Heidelberger Beton. Am Wehr an Standort Wotschofska kam jedoch der passgenaue Beton nach rund 30 Minuten Pumpleistung so an, wie er von der einbringenden Bauunternehmung benötigt wurde. Den Beteiligten kam die Erfahrung des Pumpendienstes über diese enormen Entfernungen zugute. Und natürlich hat auch der nahezu unberührte Naturraum von der bemerkenswerten Lösung profitiert.

Bauprojekte im Spreewald unterliegen besonderen Bedingungen. Polier Werner Urban von der TWB Boblitz fährt mit dem Prahmen zur Baustelle. | HeidelbergCement/Fuchs
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Ersatzneubau, Wehr, Schleuse, Wehranlage, Beton, Zement, HeidelbergCement, ZX-Verrohrung