Lernhaus im Campus

Mit dem „Lernhaus im Campus“ hat die Stadt Osterholz-Scharmbeck ihr bislang größtes einzelnes Bauvorhaben realisiert. Der Schulbau ist Bestandteil des innovativen Bildungsstandortes „Campus für lebenslanges Lernen“, in den die Stadt insgesamt 23,5 Millionen Euro investiert hat. Den Transportbeton für das beispielhafte Bauvorhaben lieferte die Heidelberger Beton GmbH, Gebiet Niedersachsen-Bremen.

Osterholz-Scharmbeck, kurz OHZ, ist ein reiner Wohnstandort im Speckgürtel nördlich von Bremen. Oft sind weiche Standortfaktoren wie gute Bildungsangebote für Familien mit Kindern für die Wahl des Wohnorts ausschlaggebend. Wie solche Anreize durch passende zukunftsweisende Schulformen in OHZ geschaffen werden können, darüber haben sich die Verantwortlichen der Stadt um Bürgermeister Martin Wagener und Heinz-Dieter Gransee, Leiter der Stabsstelle Campus in einem zehnjährigen Entwicklungsprozess Gedanken gemacht. Mit dem „Lernhaus im Campus“ konnte nun der auf Verbindlichkeit und Eigenverantwortung basierende pädagogische Ansatz auch architektonisch umgesetzt werden. Die Stadt entschied sich für eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) und vergab das Projekt in einem mehrstufigen EU-weiten Verfahren. Von den fünf eingeladenen Bietergemeinschaften überzeugte die Arbeitsgemeinschaft Züblin und Gottfried Stehnke mit dem Planungsteam kister scheithauer gross architekten (ksg) und stadtplaner zusammen mit dem Architekturbüro Feldschnieders + Kister, Horeis + Blatt Partnerschaft Landschaftsarchitekten und Wolff + Partner Beratende Ingenieure.

Der stimmige Entwurf von ksg lässt den Neubau der Oberschule (5. bis 10. Klasse) mit seinen 9.200 Quadratmetern Bruttogeschossfläche zum Herzstück der städtebaulichen Neukonzeption werden. Dabei konzipierten die Architekten das „Lernhaus im Campus" als Bindeglied zwischen den einzelnen Schulformen und dem neuen Medienzentrum, in dem auch die Mensa untergebracht wurde. Dieses Medienhaus und das viergeschossige Lernhaus bilden die gewünschte städtebauliche Torsituation.

Freies Lernen braucht kluge Räume

Mit ihrem durchdachten Konzept des Lernhauses, einer zukunftsweisenden Oberschule, die – jenseits des klassischen Frontalunterrichts – Schülerinnen und Schülern Lust aufs Lernen macht, übernimmt die Stadt nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit eine Vorreiterrolle für zeitgemäße Pädagogik. Ein Teil des Lehrinhalts wird in jahrgangsbezogenen „Lernlandschaften“ vermittelt, die sich in bis zu 500 Quadratmeter großen Räumen erstrecken. Dort haben alle Schülerinnen und Schüler für fächerübergreifende Projekte und selbstorganisiertes Lernen ihren eigenen Arbeitsplatz. So können sie sich im „Lernhaus im Campus“ eine individuelle und nachhaltige Bildung erarbeiten. Das Konzept dieser Ganztagsschule mit binnendifferenziertem Unterricht ist darauf angelegt, die Jugendlichen in der ihnen eigenen Zeit bei der Entfaltung und Entwicklung ihrer Anlagen und Fähigkeiten zu unterstützen. Ziel des ganzheitlichen Lernens ist, neben der durchgängigen Berufsorientierung, die Entwicklung selbständiger und eigenverantwortlicher Persönlichkeiten. Unterstützt und angeregt werden die Schülerinnen und Schüler durch ein Team von Mentoren, Lernbegleitern und pädagogischen Mitarbeitern.
Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung dieser fortschrittlichen Schulform war der Neubau des Lernhauses anstelle der ehemaligen Haupt- und Realschule. „Wir wollten nicht nur ein Gebäude sanieren, sondern eine gute neue Schule bauen – dieses Ziel stand und steht im Mittelpunkt dieses Projektes“, so Bürgermeister Martin Wagener.

Im Vorfeld des Bauvorhabens entwickelten Schule und Schulträger spezifische Parameter, die gemeinsam mit den Architekten in ein sinnvolles pädagogisch wirkungsvolles Raumprogramm umgesetzt wurden. Im Interesse der Übersichtlichkeit und klaren Orientierung vernetzten die Architekten die einzelnen Funktionen so miteinander, dass eine direkte Sichtverbindung besteht. Dies ermöglicht etwa dem Lernpartner oder dem Lernbegleiter eine Überprüfung freier Arbeitsplätze in anderen Funktionseinheiten, ohne großen Zeitverlust oder Störung des Arbeitsumfeldes. Die Vernetzung der Bereiche erfolgt stets über das belebte und kommunikative Zentrum der im Innern angeordneten Halle.

Wie wichtig die neuen Räumlichkeiten für die Kinder und Jugendlichen, aber auch für das pädagogische Personal, für den Erfolg dieses ganzheitlichen Ansatzes sind, ist dem didaktischen Leiter Marc Seis erst nach dem Einzug so richtig bewusst geworden. „Das hat die Schüler nochmals so richtig gepuscht.“ Nicht nur sie, auch seine Kollegen haben nun mehr Spaß an der Schule. Nach der Phase der Umstrukturierung, die durch Lerncoaches begleitet wird, macht das Unterrichten und die Erfahrung, die Schule mitzugestalten, Freude. „Für mich ist das alte System gestorben, da musste man froh sein, wenn 40 Prozent der Schüler überhaupt etwas mitgekriegt haben“, so Seis. Jetzt werden alle individuell angesprochen. Morgens startet jede Gruppe mit rund 25 Schülern mit dem Morgenkreis, in dem der Tag geplant wird. Alle sind engagiert dabei. Andernorts gehören Schulen, die einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund haben, zu Problemschulen. Das „Lernhaus im Campus“ dagegen entwickelt sich zu einem Vorzeigeprojekt, das über den Standort hinaus Beispielcharakter hat.

Schulbau für zukunftsweisende Pädagogik

Der Abriss der alten Realschule und der Neubau des Lernhauses erfolgten in eineinhalb Jahren. Das viergeschossige Gebäude ist an den Hang gebaut, es passt sich der Topografie mit ihrem Höhenunterschied von zehn Metern so an, dass ein Gebäudevolumen mit einer durchgängig gleichen Attikahöhe entstanden ist. Den Übergang zwischen dem Gebäuderiegel, der die Klassenzimmer für den Fachunterricht sowie die Lehrer- und Rektoratszimmer im Staffelgeschoss beherbergt, und den Lernhäusern bildet eine über 20 Meter weit gespannte Brücke, unter der sich ein geschützter Eingangsbereich erstreckt. Dahinter schließen sich Innen- und Gartenhöfe an – mit Sitzinseln unter Bäumen und freiem Himmel. „Wir haben bei diesem Stahlbetonbau mit Bauteilen aus Transportbeton, Voll- und Halbfertigteile gearbeitet“, erläutert Oberbauleiter Klaus Ebeling von Züblin. Sein Unternehmen hat das ÖPP-Projekt mitkonzipiert, finanziert, gemeinsam mit Stehnke ausgeführt und schließlich der Stadt schlüsselfertig übergeben. Der passende Transportbeton für den Rohbau wurde aus drei Werken von Heidelberger Beton, Bereich Niedersachsen-Bremen, geliefert. Die sehr nahe gelegenen Betonwerke ermöglichten kurzfristige Lieferungen.
Arbeiten wie das Gießen der als Platte ausgeführten Flachgründung, das Setzen einer Stützmauer im Hang, oder das Aufbetonieren der Filigrandecken sind für Ebeling und sein Team längst Routine. Auch die Verlegung von Fußbodenheizungen im Estrich, die vorgehängte Fassade im Erdgeschoss und die verputzten Wände der oberen Geschosse sowie der Innenausbau, wurden unter seiner Regie ausgeführt. „Spannend und nicht alltäglich war für uns die Brücke mit dem eingebundenen Musiktrakt.

Die Unterzüge und Spannbetonbinder in dieser Dimension waren eine Herausforderung. Hier gab es auch hohe Anforderungen an den Schallschutz und die Akustik.“ Wirklich neu für Klaus Ebeling war die besondere Schulform in Osterholz-Scharmbeck, die sich über die Grundrisse bis in die Bauweise erstreckt. Auch ein Oberbauleiter lernt eben nie aus.

Den Transportbeton für das beispielhafte Bauvorhaben lieferte die Heidelberger Beton GmbH, Gebiet Niedersachsen-Bremen. | HeidelbergCement/Steffen Fuchs
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