Funktional und tiergerecht

Um Elefanten ranken sich viele Geschichten: Klug seien sie und sanftmütig. Ihnen wird ein gutes Gedächtnis nachgesagt und sie gelten als soziale Wesen. Eines gehört aber immer dazu, vor allem, wenn man mit Experten spricht: Elefanten mögen es nicht, sich zu langweilen – so auch die zwei Elefantendamen in der Wilhelma. Der Stuttgarter Zoo spendierte den beiden indischen Dickhäutern deshalb eine neue Außenanlage für ihr Zuhause, mit viel Abwechslung.

Wer die Wilhelma, also den zoologisch-botanischen Garten in Stuttgart kennt, der weiß um die teilweise älteren Gehege und Anlagen. Wer sich aber näher mit diesem Park beschäftigt, der erfährt, dass gerade deshalb viel für die Ertüchtigung oder Erneuerung der Gehege getan wird. So entsteht im Moment ein neues Haus für Menschenaffen, das dann zu einem der modernsten in Europa zählen und unter anderem die weltberühmte Aufzuchtstation für Menschenaffen-Kinder beherbergen wird. Doch damit nicht genug: Denn auch das Zuhause der Elefanten bekam vor kurzem eine Erfrischung verpasst. So überarbeiteten die Planer die in die Jahre gekommene Außenanlage der zwei indischen Elefantendamen. Und das, obwohl bereits mittelfristig ein gänzlich neues Domizil für die Dickhäuter geplant ist.

Umso mehr kann sich die Neukonzeption des Außengeheges von „Glück Landschaftsarchitektur“ sehen lassen. Denn vor dem Umbau prägte älterer Sichtbeton die Anlage und ein tiefer und breiter Graben trennte Besucher und Tiere voneinander. Das ist jetzt anders. Baumstämme, große Steinquader und ein schönes Wasserbecken bieten den Elefantendamen ausreichend Möglichkeiten zur Beschäftigung. Und auch die Trennung zwischen Mensch und Tier wurde nun mit Stahlseilen, Stahlstelen und Steinquadern eleganter gelöst. So ist der große Graben verschwunden, der schon für einigen Wirbel in der Wilhelma gesorgt hatte. Denn 2008 fiel die Elefantenkuh Vilja nach einem Gerangel mit einer Artgenossin in den Graben und verletzte sich zum Glück nur leicht. Ein Unfall, der den Zoo zur Umgestaltung der Anlage veranlasste – für eine höhere Sicherheit der durchweg betagten Elefanten.

Dass Vilja die Eröffnung des neuen Außengeheges nicht mehr miterleben konnte, lag allerdings nicht am Sturz in den Graben. Am 10. Juli 2010 starb die 60 Jahre alte Elefantendame aufgrund eines Kreislaufversagens. Zu diesem Zeitpunkt war Vilja Europas älteste, noch lebende indische Elefantenkuh.

Doch auch die beiden noch verbliebenen Bewohnerinnen freuen sich über die Neugestaltung. Das zumindest berichten die Pfleger, die Pama und Zella gut kennen und die Tiere beim Erkunden der neuen Anlage beobachteten. Kein Wunder, achtete man bei der Planung genau auf die Kombination aus Funktionalität und tiergerechter Ausführung. Der Landschaftsarchitekt Michael Glück, die für die Umsetzung zuständige Fa. Peter Schick Gartengestaltung und das Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg ließen gemeinsam mit den Verantwortlichen der Wilhelma das Ziel einer artgerechten Umgestaltung nie aus den Augen.

Wer jetzt denkt, dass alle Betonelemente verschwunden seien, die bisher das Gehege prägten, der irrt. Denn nach dem Rückbau wurde bewusst ein neuer Betonboden im Übergang zwischen Innen- und Außengehege eingebracht. Denn der Beton, der von der Heidelberger Beton GmbH & Co. Stuttgart KG geliefert wurde, ist gut für die Elefanten. Der Boden dient nämlich der Abnutzung der Sohlenhaut an den Füßen. Das genießen die großen Tiere, da sie sehr empfindliche Haut und Fußsohlen haben, die viel gepflegt werden wollen.

Der übrige Boden der Anlage wurde mit Sand aufgefüllt und die im Gelände vorhandenen Steigungen entschärft. Das erleichtert den älteren Damen den Rundgang auf der Anlage und entlastet ihre Füße. Denn auf Sand kann sich der Druck des enormen Körpergewichts von rund drei bis vier Tonnen gut verteilen. Um die Anlage zu gliedern und den Tieren Möglichkeiten zur Körperpflege zu bieten, wurden große Eichenstämme als Schubberbäume aufgestellt und als kleines Wäldchen gruppiert. Außerdem setzten die Planer noch Steinquader ein, die teilweise aus dem in der Nähe der Wilhelma vorkommenden Travertingestein und teilweise aus Farbbeton hergestellt wurden. Seine gelbliche Färbung, die damit der Färbung des Natursteins Travertin gleicht, erhielt der Farbbeton durch die Zugabe von gelber Betonflüssigfarbe und die Verwendung eines Zuschlags aus Jura-Steinmehl. Auch dieser Beton stammt von Heidelberger Beton und wurde im Stuttgarter Werk Nord hergestellt und mit Fahrmischern angeliefert.

Ein weiteres Highlight für die Elefantendamen dürfte das neue Wasserbecken sein. Dieses ist mit 85 m2 Wasserfläche ein kleiner Pool, der über eine moderne Wasser-Wiederaufbereitungsanlage und eine über Solarthermie-Kollektoren funktionierende Heizung verfügt. Wie der übrige Beton, stammt auch der Baustoff für das Becken aus dem Heidelberger Beton-Werk in Stuttgart-Nord.

Mit den vielen Maßnahmen und der bei einem zoologisch-botanischen Garten wie der Wilhelma typischen, üppigen Bepflanzung mit Bambus und indischen Sträuchern, ist eine wirkliche Aufwertung der Außenanlage gelungen. So lässt sich die Wartezeit für die Elefanten angenehmer verbringen bis in einigen Jahren eine neue Heimat auf dem Gelände des Stuttgarter Zoos entsteht. Dann ist auch eine größere Elefantengruppe geplant. Mal sehen, ob die beiden älteren Elefantendamen auch ins neue Domizil umziehen werden. Schließlich sagt man Elefanten auch nach, dass sie sehr alt werden können.

Übrigens: Dass schöne Außengehege wird dann in den Besitz der Nashörner übergehen, die im Moment in direkter Nachbarschaft zu den Elefanten ihr Zuhause haben. Damit hat sich die Umgestaltung gleich doppelt gelohnt – für Dickhäuter mit Rüssel und solche mit Horn.

Die neue Anlage für Elefanten bietet mehr Spielmöglichkeiten, viel Platz und einen großen Außenpool. Zudem wurde die Trennung von Mensch und Tier schöner gelöst als bei der Vorgänger-Anlage. | HeidelbergCement/Fuchs
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