Ausgabe5-2013 / 2013

Neubau des Filminstitutes in Amsterdam

Großes Kino

Die „Auster von Amsterdam" wird das neue EYE Film Institut genannt, das strahlend weiß am Ufer des Flusses IJ liegt. Der futuristisch geschnittene Neubau des Wiener Büros Delugan Meissl Associated Architects integriert neben Archiv und Ausstellungsbereich auch vier Kinosäle und bietet zudem eine öffentliche Piazza zum Fluss. Die ungewöhnliche Fassade wurde mit schillernden Aluminiumpaneelen verkleidet.

Wer nach Amsterdam kommt, den zieht es zumeist in die historische Altstadt mit ihren Grachten und Giebelhäusern. Architekturinteressierte besichtigen zudem die in den 1990er-Jahren großflächig umgewandelten östlichen Hafengebiete. Die Bereiche nördlich vom Fluss IJ sind dagegen selbst vielen Einheimischen nahezu unbekannt. Mit der Eröffnung des direkt gegenüber vom Hauptbahnhof gelegenen EYE Film Instituts könnte sich diese Perspektive künftig etwas ändern. Denn mit seiner ikonenhaften Form und seinem attraktiven cineastischen Angebot besitzt der Neubau das Potenzial, die natürliche Trennung durch den Fluss zu überwinden und zu einem wichtigen kulturellen Anziehungspunkt zu werden.

Visueller Auftakt

Das Filmmuseum war seit 1946 unweit des Grachtengürtels in einem prachtvollen Altbau am Vondelpark untergebracht. Da die dortigen Räumlichkeiten aber bereits seit längerem zu klein geworden waren, um das wachsende Archiv und den zunehmenden Besucherstrom aufzunehmen, war schließlich entschieden worden, das Institut ans IJ-Ufer umzuziehen und als visuellen Auftakt für das neue Wohn- und Dienstleistungsquartier „Oeverhoeks" zu planen, das dort gegenwärtig auf einem ehemaligen Shell Terrain entsteht. Die Baukosten von 36 Millionen Euro wurden dabei durch die ING Real Estate getragen, die das Gebäude in Public-private partnership an das EYE Filminstitut vermietet.

Den 2005 durchgeführten Architekturwettbewerb für das Projekt hatte das Wiener Büro Delugan Meissl Associated Architects für sich entscheiden können. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten konnte der Neubau jedoch erst 2012 fertiggestellt werden. Doch die lange Wartezeit hat sich gelohnt. Schließlich überzeugt die schillernde „Auster" nicht nur durch ihre kristallin weiße Architektur mit ihren expressiven, bis zu 30 m langen Auskragungen, sondern sie bietet den Besuchern auch eine attraktive öffentliche Terrasse mit freier Sicht aufs Wasser. Und im Inneren des Gebäudes stehen auf einer Bruttogeschossfläche von 8 700 m² neben dem umfangreichen Filmarchiv und einer knapp 1 200 m² großen Ausstellungsebene auch vier unterschiedlich große Kinosäle mit insgesamt 640 Plätzen sowie ein Restaurant zur Verfügung. Die Sammlung umfasst rund 37 000 Filme, 60 000 Filmplakate und 700 000 Film-Fotos.

DMAA

Projektinformationen