09.03.2018 - 09.06.2018 | Ausstellungen

Klaus Kinold: Hans Döllgast und Rudolf Schwarz

Seit 2005 sind das aut und das Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck im Sudhaus des ehemaligen Adambräu beheimatet, das dadurch zu einem „Haus der Architektur“ geworden ist. Nun ist erstmals eine von beiden Einrichtungen gemeinsam konzipierte Ausstellung zu sehen, in deren Mittelpunkt der in München lebende Fotograf, Architekt und Gestalter Klaus Kinold (geb. 1939) steht, der innerhalb der Architekturfotografie der Gegenwart eine besondere Rolle einnimmt.

Klaus Kinold studierte in den 1960er Jahren in Karlsruhe bei Egon Eiermann Architektur. Von jeher an der Fotografie interessiert, hatte er sich autodidaktisch Aufnahme- und Dunkelkammertechnik angeeignet und wurde am Lehrstuhl Rudolf Büchner rasch zum offiziellen „Hausfotografen”, der u. a. Modelle und Bauten seiner Professoren fotografierte. Von seinem Lehrer und Mentor Egon Eiermann lernte er die klare und nüchterne Durchdringung architektonischer Probleme genauso wie die Präzision des Gestaltens, die er in Folge auf seine Fotografien übertrug.

Was seine Arbeit als Architekturfotograf auszeichnet, ist das umfassende Verständnis für ein Bauwerk, das er sich über seine Ausbildung als Architekt erworben hat. Bevor er mit dem Fotografieren beginnt, setzt er sich intensiv mit dem Bauwerk auseinander, eignet sich den Bau in seiner architektonischen Struktur und mit allen Details an und sucht jene Standpunkte, von denen aus das architektonische Konzept am besten erfasst werden kann. Denn ihm geht es darum, ein Bauwerk fotografisch so wiederzugeben, dass die Kernidee des Architekten ersichtlich wird. Im Sinne eines Vermittlers überführt er die Ästhetik, Konstruktion und Materialität eines Gebäudes in – vorzugsweise schwarz-weiße – Bilder von distanzierter Sachlichkeit. Denn so poetisch sein Werk auch sein kann: Klaus Kinold besteht darauf, dass Architekturfotografie ein Bereich der sachlichen Dokumentation ist und nicht der künstlerischen Interpretation. Daher lautet sein Leitsatz „Ich will Architektur zeigen, wie sie ist“.

Im Lauf der Jahrzehnte hat Klaus Kinold zahlreiche Werke bedeutender Architekten für Publikationen fotografiert, u. a. von Alvar Aalto, Tadao Ando, Heinz Bienefeld, Dominikus Böhm, Walter Gropius, Herman Hertzberger, Herzog & de Meuron, Le Corbusier, Richard Meier, Ludwig Mies van der Rohe, Carlo Scarpa, Karljosef Schattner, Álvaro Siza und Peter Zumthor. Er hat vor allem auch die Nachkriegsmoderne in Deutschland dokumentiert und mit seinen Fotografien maßgeblich die Rezeption dieser Bauten mitbestimmt. Daneben war er über viele Jahre Herausgeber und Gestalter mehrerer Periodika wie „KS Neues“, „Bauen in Beton“ und „MODUL“.

Das Archiv für Baukunst bietet einen Einblick in dieses umfassende Schaffen von Klaus Kinold. Gezeigt werden freie Arbeiten, ein Teil der Publikationen, die mit seinen Fotografien illustriert sind, die von ihm gestalteten Periodika sowie Bücher, die für ihn aus konzeptionellen wie gestalterischen Gründen biografisch von Bedeutung sind.

Im Mittelpunkt der Ausstellung im aut stehen zwei Architekten, die in Klaus Kinolds Schaffen eine zentrale Rolle einnehmen: Hans Döllgast und Rudolf Schwarz. Fasziniert von deren materiell zurückhaltender und stark auf den Raum wie die Atmosphäre ausgerichteten Architektur, widmete sich Kinold ab den frühen 1980er Jahren aus Empathie dem Werk dieser beiden „Baumeister der anderen Moderne“, die – entgegen den Vertretern der sogenannten „radikalen Moderne“ – einen zurückhaltenden und in gewissem Sinne einen „konservativen“ Ansatz verfolgten, der vor allem auf die Erfahrung des zerbombten Deutschlands und der damaligen Mangelwirtschaft zurückzuführen ist.

mehr zu den Künstlern und der Ausstellung »

Veranstaltungstermin / -dauer 09.03.2018 - 09.06.2018
Veranstaltungsort / Treffpunkt
Innsbruck (AT)
aut. architektur und tirol | archiv für baukunst
Lois Welzenbacher Platz 1 (im Adambräu/Südbahnstr.)
6020 Innsbruck