29.08.2017 | FORSCHUNG

Urbane Fußabdrücke

Wie Städte Verantwortung für Klima- und Ressourcenschutz übernehmen

Urbane Infrastrukturen und Lebensstile verursachen den Großteil weltweiter Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbräuche. Sie hinterlassen globale Fußabdrücke. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute bereits in Städten, bis zum Jahr 2050 ist ein Anstieg auf etwa zwei Drittel zu erwarten. Dabei sind Städte als Orte der Innovation nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung im Klima- und Ressourcenschutz. Ein neues Forschungsprojekt der Rechtswissenschaftlerin Dr. Cathrin Zengerling an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) erkundet verantwortliche Steuerungsmodelle urbaner ökologischer Fußabdrücke. Acht Städte in acht Ländern erforscht die Wissenschaftlerin mit einem interdisziplinären Team vor Ort. Das innovative Projekt wird durch ein Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung gefördert.


Der Klimawandel und die voranschreitende Ausbeutung natürlicher Ressourcen stellen die gesamte Welt vor enorme Herausforderungen. Internationale Vereinbarungen weisen städtischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und Ressourcenverbrauchs eine immer größere Bedeutung zu. Doch trotz dieses Bedeutungsgewinns der Städte als Akteure, gibt es international weder etablierte Steuerungsmodelle noch weithin akzeptierte Bilanzierungsmethoden.
„Städte werden als Akteure in der Klima- und Ressourcenpolitik immer wichtiger und präsenter. Um sie zuverlässig in Steuerungsprozesse einbinden zu können, ist es wichtig, international stark unterschiedliche Handlungsspielräume zu verstehen“, so Zengerling.


Disziplinäre Grenzen der Rechtswissenschaften und Stadtforschung überwindend, soll das Forschungsprojekt „Urban Footprints – Towards Greater Accountability in the Governance of Cities' Carbon and Material Flows“ (Urban Footprints – Auf dem Weg zu mehr Verantwortung in der Steuerung städtischer Kohlenstoff- und Materialflüsse) sowohl eine Wissensbasis, eine Analyse von Chancen und Herausforderungen sowie Empfehlungen für gestärkte, verantwortungsvolle Steuerungsprozesse urbaner Fußabdrücke erarbeiten. Die Vision des interdisziplinären Forschungsprojektes sind Städte, die zukünftig mehr Verantwortung für ihre ökologischen Fußabdrücke übernehmen und klima- und ressourcenbewusst handeln.

In fünf Projektjahren untersucht das Team der HCU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler die urbanen Fußabdrücke von acht – bisher vorläufig ausgewählten - Städten in acht Ländern vor Ort: Shanghai (China), Delhi (Indien), Los Angeles (USA), São Paulo (Brasilien), Lagos (Nigeria), Kairo (Ägypten), Toronto (Kanada) und Hamburg.
Unterstützung erhält das Team um Zengerling über den Projektzeitraum hinweg durch das renommierte Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung in Höhe von rund 800.000 Euro.


„Das Freigeist-Fellowship ermöglicht es uns, ein kleines interdisziplinäres und interkulturelles Forschungsteam aufzubauen und mehrmonatige Forschungsaufenthalte für Interviews, Erhebungen und Austausch vor Ort zu realisieren. Wir werden mehr als zwei Jahre auf fünf Kontinenten unterwegs sein“, so Zengerling.


Zur Person: Dr. Cathrin Zengerling
Cathrin Zengerling studierte Rechtswissenschaften in Münster, Madrid und Hamburg mit den Schwerpunkten Umwelt- und Planungs-, Europa- und Völkerrecht. Sie war als Referendarin unter anderem im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt sowie bei den Vereinten Nationen in Genf tätig. 2006 erwarb sie den Abschluss Master of Laws an der University of Michigan, Ann Arbor, USA. Zwischen 2008 und 2011 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HCU Hamburg und promovierte zu einem internationalen umweltrechtlichen Thema an der Universität Hamburg. Seit Mai 2011 ist sie Rechtsanwältin und betreute zunächst in der Hamburger Kanzlei Günther Rechtsanwälte vor allem Mandate in den Bereichen des Energie-, Bau- und Umweltrechts. Seit November 2015 ist sie Habilitandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HCU Hamburg. Sie lehrt in den Studiengängen Stadtplanung und Resource Efficiency in Architecture and Planning (REAP) und forscht an der Schnittstelle von Recht, Umweltschutz und Stadtentwicklung.

Freigeist Fellowship der VolkswagenStiftung
Die gemeinnützige VolkswagenStiftung fördert Forschungsvorhaben in allen Disziplinen. Im Rahmen wechselnder Förderinitiativen gibt sie der Wissenschaft gezielt Impulse. Ein Freigeist-Fellow – das ist für die Volkswagen-Stiftung eine junge Forscherpersönlichkeit, die neue Wege geht, Freiräume zu nutzen und Widerstände zu überwinden weiß. Ein Freigeist-Fellow erschließt neue Horizonte und verbindet kritisches Analysevermögen mit außergewöhnlichen Perspektiven und Lösungsansätzen. Das Angebot richtet sich an außergewöhnliche Forscherpersönlichkeiten, die sich zwischen etablierten Forschungsfeldern bewegen und risikobehaftete Wissenschaft betreiben möchten. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler mit bis zu vierjähriger Forschungserfahrung nach der Promotion erhalten mit diesem flexiblen Förderangebot die Möglichkeit, ihre wissenschaftliche Tätigkeit mit maximalem Freiraum und klarer zeitlicher Perspektive optimal zu gestalten.